Sozial(leistungs)beratung Oberhavel in Gefahr!
Sozialberatung der Linken Oberhavel in Oranienburg: Jeden Dienstag kostenfrei und niedrigschwellig – und politisch dringend nötig
Oranienburg, 07.02.2026 (Update am 12.02.26)
Die Linke Oberhavel bietet seit gut einem halben Jahr eine regelmäßige Sozialberatung in Oranienburg an. Ratsuchende können jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr mit und ohne Voranmeldung in die offene Sprechstunde kommen.
Die Beratung richtet sich an alle Menschen im Landkreis Oberhavel, die Unterstützung im Umgang mit Behörden, Formularen und Bescheiden benötigen. Die Linke hilft insbesondere beim Ausfüllen von Anträgen – etwa auf Grundsicherung, Wohngeld oder Kindergeld, erklärt amtliche Bescheide verständlich und prüft deren Rechtmäßigkeit. Ziel ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und Betroffene zu befähigen, ihre Rechte selbstbewusst wahrzunehmen.
Ein besonderer Schwerpunkt ist der Heizkostencheck, den Die Linke vor Ort anbietet. Dieses Angebot hat bereits zahlreichen Mieterinnen und Mietern geholfen, unnötige Kosten zu vermeiden und teilweise mehrere Hundert Euro zu sparen. Darüber hinaus prüfen die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater auf Wunsch auch Betriebskostenabrechnungen im Allgemeinen.
Andrea Löwe, Kreisvorsitzende der Linken Oberhavel, erklärt:
„Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungs- und Energiekosten brauchen viele Menschen unbürokratische Unterstützung. Unsere Sozialberatung schließt eine Lücke, die der Landkreis bislang trotz Beschluss des Kreistages nicht ausreichend füllt. Wir lassen die Menschen damit nicht allein und bieten praktische, solidarische Hilfe vor Ort.“
Sozialberatung auf Kreisebene: Beschluss droht erneut gekippt zu werden
Brisant wird das Thema mit Blick auf die nächste Sitzung des Sozialausschusses des Kreistages Oberhavel am 12. Februar. Dort legt die Kreisverwaltung einen Beschluss vor, der die bereits beschlossene unabhängige Sozialleistungsberatung wieder zurücknehmen soll – obwohl sie eigentlich schon seit zwei Jahren hätte eingeführt sein müssen.
Zur Erinnerung: Der Kreistag hatte bereits im Juli 2023 beschlossen, eine unabhängige Beratungsstruktur mit vier Fachstellen aufzubauen. Das notwendige Geld war im Haushalt eingestellt. Dennoch hat der Landrat bzw. die Verwaltung bis heute keine Ausschreibung gestartet, sodass es bis heute keine einzige dieser Beratungsstellen gibt.
Diese Verzögerung wird auch von der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Oberhavel scharf kritisiert. Ihr gehören AWO, Caritas, DRK, Der Paritätische, Diakonie und der Humanistische Verband an. Sie warnen eindringlich davor, den Beschluss nun ganz zu kippen. Aus ihrer Sicht brauchen viele Menschen dringend eine unabhängige Beratung, die über einzelne Behördenzuständigkeiten hinausgeht und komplexe Lebenslagen berücksichtigt.
Parallel dazu läuft die Online-Petition „Sozial(leistungs)beratung in Oberhavel starten statt verhindern“, die fordert:
- den bestehenden Kreistagsbeschluss nicht zurückzunehmen,
- die Beratungsstruktur spätestens bis 1. Juni 2026 tatsächlich zu starten,
- einen Träger bzw. eine Bietergemeinschaft zu beauftragen und
- eine Beratung anzubieten, die nicht nur beim Ausfüllen von Formularen hilft, sondern auch aufsuchend arbeitet, Orientierung gibt und über Teilhabeangebote informiert.
Scharfe Kritik der Linken
Sebastian Wolf, Kreistagsabgeordneter der Linken und Mitglied im Sozialausschuss, kritisiert den Vorstoß der Verwaltung aufs Schärfste:
„Es ist eine Unverfrorenheit, dass dieser Beschluss erstens nie umgesetzt wurde, obwohl das notwendige Geld dafür im Haushalt eingestellt war – und dass dieses dringend benötigte Beratungsangebot jetzt den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen soll. Damit trifft man ausgerechnet die Ärmsten der Armen.“
Wolf richtet einen klaren Appell an die anderen Fraktionen im Kreistag:
„Ich fordere alle Parteien, die noch ein bisschen soziales Verantwortungsgefühl haben, auf: Stimmen Sie diesem Rücknahmebeschluss nicht zu! Arbeiten Sie die Sozialleistungsberatung wieder in den Haushalt ein und setzen Sie endlich den bestehenden Beschluss um.“
Zugleich erinnert Wolf an die soziale Notwendigkeit unabhängiger Beratung:
„Viele Menschen verschenken Geld, weil sie ihre Ansprüche auf Kindergeld, Wohngeld, Grundsicherung, Kinderzuschlag oder andere Sozialleistungen nicht kennen oder nicht korrekt beantragen. Eine unabhängige Sozialleistungsberatung hilft Betroffenen und entlastet am Ende sogar die Verwaltung.“
Update 12.02.26: Der Sozialausschuss in Kreistag hat am 12.02.26 mit 8 Ja-Stimmen und 2 Nein-Stimmen der Sozialleistungsberatung eine Absage geben – der 2023 getroffen Beschluss soll aufgehoben werden.
Angebot der Linken vor Ort
Die Linke Oberhavel sieht ihre eigene Sozialberatung als wichtige Unterstützung, aber nicht als Ersatz für eine professionelle, kreisweit abgesicherte Beratungsstruktur.
Termin der Sozialberatung:
- Jeden Dienstag, 17:00–19:00 Uhr
- Ort: Linkstreff, Bernauer Straße 71, Oranienburg


