Christin Willnat: Bildungs- und Teilhabepaket endlich einfacher und unbürokratischer machen
Die Bundestagsabgeordnete Christin Willnat fordert die Bundesregierung auf, das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) grundlegend zu reformieren. Anlass ist die aktuelle Analyse der Bertelsmann Stiftung, die dem BuT ein schlechtes Zeugnis ausstellt: Komplizierte Antragsverfahren, unterschiedliche Zuständigkeiten und fehlende Informationen führen dazu, dass viele anspruchsberechtigte Kinder und Jugendliche die ihnen zustehenden Leistungen nicht erhalten. Die Stiftung fordert deshalb einen einfacheren und möglichst automatischen Zugang zu den Leistungen.
„Das Bildungs- und Teilhabepaket wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Kinder dürfen nicht deshalb auf ein warmes Mittagessen, Nachhilfe, Klassenfahrten oder den Sportverein verzichten müssen, weil ihre Eltern sich durch einen Antragsdschungel kämpfen müssen“, erklärt Christin Willnat.
Besonders alarmierend ist, dass bundesweit lediglich 18,3 Prozent der anspruchsberechtigten Kinder zwischen sechs und unter 15 Jahren den Teilhabebetrag für Sportvereine, Musikunterricht oder andere Freizeitangebote erhalten. Mehr als acht von zehn berechtigten Kindern profitieren also nicht von dieser Leistung. Auch andere Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets werden nach den Erkenntnissen der Bertelsmann Stiftung nur unzureichend genutzt.
Auch der Sozialbericht 2025 des Landkreises Oberhavel zeigt den Handlungsbedarf deutlich. Demnach erhielten im Jahr 2024 lediglich 50,2 Prozent der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Fast jedes zweite anspruchsberechtigte Kind geht damit leer aus.
„In meinem Bürgerbüro suchen regelmäßig Menschen Rat, weil sie ihre Ansprüche nicht kennen oder Unterstützung bei der Antragstellung benötigen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es in Oberhavel nach wie vor keine ausreichende unabhängige Sozialleistungsberatung gibt. Viele Familien erfahren überhaupt erst durch unsere Beratung, welche Ansprüche sie haben“, so Willnat.
Die Aktiven der Sozialleistungsberatung „Die Linke hilft“ haben anhand einer Beispielrechnung ermittelt, dass eine anspruchsberechtigte Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern auf Leistungen im Wert von rund 4.000 Euro pro Jahr verzichten muss, wenn sie ihre Ansprüche nicht kennt. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Leistungen für den Schulbedarf, die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, die Schülerbeförderung, das Mittagessen in Kita, Hort oder Schule, Klassenfahrten und Schulausflüge sowie notwendige Lernförderung wie Nachhilfe. Die tatsächliche Höhe hängt vom individuellen Bedarf der Familie ab.
„Dass eine Partei mit Angeboten wie ‚Die Linke hilft‘ Sozialleistungsberatungen übernimmt, weil viele Menschen ihre gesetzlichen Ansprüche nicht kennen oder ohne Unterstützung nicht durchsetzen können, ist ein Armutszeugnis. Der Sozialstaat muss dafür sorgen, dass Leistungen bei den Menschen ankommen, ohne dass Ehrenamtliche die Versäumnisse des Systems ausgleichen müssen“, kritisiert Willnat.
Christin Willnat fordert die Bundesregierung auf, das Bildungs- und Teilhabepaket zu vereinfachen und Leistungen künftig möglichst automatisch zu gewähren. Kein Kind darf auf Bildung, Freizeit oder gesellschaftliche Teilhabe verzichten müssen, nur weil das Antragsverfahren zu kompliziert ist.
Hier könnt Ihr den Flyer der Linken Oberhavel zum Bildungs- Und Teilhabepaket downloaden

