AfD-Wahlsieg in Zehdenick: Ein Warnsignal für ganz Brandenburg

Mit der Direktwahl eines AfD-Bürgermeisters in Zehdenick hat Brandenburg einen politischen Einschnitt erlebt, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Zum ersten Mal wurde in Brandenburg ein hauptamtlicher Bürgermeister dieser Partei direkt gewählt. Christin Willnat, verbraucherschutzpolitische Sprecherin und Bundestagsabgeordnete, Die Linke: „Wenn fast 60 Prozent der Wähler*innen für einen Kandidaten der extremen Rechten stimmen, dann darf niemand mehr so tun, als wäre das nur ein lokales Problem. Das ist eine ernsthafte Bewährungsprobe für unsere Demokratie.“
Das Ergebnis offenbart nach Ansicht von Willnat zweierlei:
“Erstens das Scheitern der demokratischen Parteien, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und ein starkes Gegenangebot zu entwickeln. Zweitens den anhaltenden Vertrauensverlust vieler Menschen in die Politik. Steigende Lebenshaltungskosten, marode Infrastruktur und das Gefühl, politisch nicht mehr gehört zu werden, hätten über Jahre einen Nährboden für rechte Kräfte entstehen lassen.”
Auch die niedrige Wahlbeteiligung spiegelt die tiefe politische Entfremdung wider. Willnat fordert deshalb eine gemeinsame demokratische Strategie gegen den weiteren Rechtsruck sowie eine stärkere politische Präsenz vor Ort.
Gleichzeitig warnt sie davor, diese Partei zu normalisieren. Erfahrungen aus anderen Kommunen (Sonneberg) zeigten, dass rechte Mehrheiten gesellschaftliche Spaltung vertieften, statt die wirklichen Probleme der Menschen zu lösen.
Stefan Wollenberg, Landesgeschäftsführer Die Linke Brandenburg: „Der AfD-Erfolg in Zehdenick zeigt, was passiert, wenn die Demokratie ihren Auftrag nicht mehr erfüllt. Die großen demokratischen Parteien waren nicht in der Lage, ein eigenes oder gemeinsames Angebot zu unterbreiten, sodass den Feinden der Demokratie kampflos der Raum überlassen wurde. Jetzt ist es Aufgabe aller Demokrat*innen, die Menschen wieder zu erreichen, rassistischem Populismus entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass die Grenzen des Rechtsstaates auch für diesen Bürgermeister gelten.“
Für Die Linke bleibt die Antwort auf den Aufstieg der extremen Rechten klar: Kämpfen für ein bezahlbares Leben, soziale Sicherheit, eine gute Gesundheitsversorgung und echte Perspektiven vor Ort!

 

Hier die Pressemitteilung vor der Wahl des Ortsvorstandes der Linken in Zehdenick
9. Mai 2026

Zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Zehdenick erklärt der Sprecherrat der Linken:
Wir bedauern, dass es uns, ebenso wie den anderen demokratischen Parteien in der Stadtverordnetenversammlung, nicht gelungen ist, eine eigene Kandidatur oder einen gemeinsam getragenen demokratischen sharepic-Zehdenick-768x768 Kandidaten aufzustellen.
Das ist auch Ergebnis eigener Versäumnisse. Es wäre notwendig gewesen, frühzeitiger und verbindlicher an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten.
Nach den durchgeführten Talkrunden, der Auswertung von Programmen und zahlreichen Gesprächen kommt Die Linke zu dem Schluss, keine Wahlempfehlung für einen der kandidierenden Bewerber auszusprechen.
Für uns ist jedoch klar: Es verbietet sich, einen Kandidaten einer gesichert rechtsextremen Partei zu wählen. Gleichzeitig rufen wir alle Wählerinnen und Wähler dazu auf, ihr Wahlrecht zu nutzen und sich für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu entscheiden.
In den öffentlichen Diskussionen wurde deutlich, dass es bislang an tragfähigen Konzepten zur Lösung der schwierigen Haushaltslage der Stadt fehlt. Gleichzeitig können viele Probleme nicht allein auf kommunaler Ebene gelöst werden. Die chronische Unterfinanzierung der Städte und Gemeinden bleibt eine zentrale Herausforderung.
„Wir stehen vor der Aufgabe, Vertrauen zurückzugewinnen und politische Gestaltung wieder sichtbar zu machen. Dazu gehört auch, Verantwortung zu übernehmen und eigene Angebote zu entwickeln“, erklärt Kreistagsmitglied Ralf Wunderlich.
Die Mitglieder der Linken in der Stadtverordnetenversammlung werden die weitere Entwicklung der Stadt weiterhin konstruktiv und kritisch begleiten und aktiv mitgestalten.
Für die Zukunft zieht Die Linke Zehdenick eine klare Konsequenz: Wir wollen frühzeitig daran arbeiten, zur nächsten Bürgermeisterwahl eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten aufzubauen und den Wählerinnen und Wählern eine glaubwürdige soziale und ökologische Alternative anzubieten.

Sprecherrat Die Linke Zehdenick
Elias Leuken