Pasta und Politik: Tierschutz bewegt Bürgerinnen und Bürger
Das Heimatmuseum der Ackerbürgerstadt Gransee war am Dienstagabend gut besucht. Rund 30 Menschen waren gekommen, manche von weit her, um über ein Thema zu sprechen, das viele bewegt und das in der Politik zu selten gehört wird: Tierschutz. Der Kreisverband der Linken Oberhavel hatte im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Pasta und Politik“ Fachleute, Landwirte und engagierte Bürgerinnen und Bürger an einen Tisch gebracht. Es wurde ein langer, lebhafter Abend.
Zum Auftakt stellte die Bundestagsabgeordnete und verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Christin Willnat, den Antrag der Linksfraktion „Ein Tierschutzgesetz, das Tiere wirksam schützt“ vor. Der Antrag wurde kürzlich im Bundestag öffentlich beraten. Die Linke fordert eine umfassende Novellierung des Tierschutzgesetzes: konsequenteres Vorgehen gegen Qualzuchten, strengere Regeln für Tiertransporte, die Abschaffung der Anbindehaltung sowie bessere Kontrollen und eine wirksamere Durchsetzung des Tierschutzrechts. Willnat machte deutlich, dass die Stallhaltungsformen 1 bis 3 perspektivisch überwunden werden müssten, um die Haltungsbedingungen für Nutztiere deutlich zu verbessern.
„Gute Landwirtschaft und guter Tierschutz schließen sich nicht aus. Wer ökologisch wirtschaftet und seinen Tieren ein würdiges Leben ermöglicht, verdient Unterstützung statt Bürokratie”, so Willnat.
Mit auf dem Podium saß der Tierarzt und Nebenerwerbs-Ökolandwirt Rudi Mixdorf aus dem Lindower Ortsteil Schönberg. Ursprünglich hatte ihn die Imkerei zur Landwirtschaft gebracht. Mit Sorge beobachtet er, wie immer mehr Agrarflächen von Kapitalanlegern übernommen und mit Mais in Monokulturen bewirtschaftet werden. „Den Bienen fehlt zunehmend die Nahrungsgrundlage“, so Mixdorf. Statt die Förderung der Bienenhaltung auszuweiten, plädiert er für mehr Blühstreifen und den Anbau vielfältiger Pflanzen wie Senf und Phacelia, von denen die gesamte Insektenwelt profitiert.
Besonders still wurde es im Raum, als Mixdorf von seinem Einsatz für Rehkitze erzählte. Vor jeder Mahd sucht er seine Flächen gemeinsam mit Kitzrettern ab. „Der Aufwand ist erheblich, aber ich will nicht verantworten, dass Rehkitze beim Mähen verletzt oder getötet werden“, sagte er.
Der zweite Landwirt auf dem Podium, Patrick Kluge aus Gransee, bewirtschaftet seinen Betrieb nach ökologischen Grundsätzen und hält alte Nutztierrassen: 14 Thüringer Waldziegen, 21 Dexter-Rinder und gemeinsam mit seiner Frau 24 Pferde. Für ihn ist die Schlachtung ein wunder Punkt. In Oberhavel gibt es keinen Schlachtbetrieb mehr, der Weideschuss ist nicht zugelassen, lange Transportwege bedeuten Stress für die Tiere. Kluge sprach sich klar dafür aus, Tiere stressfrei auf der Weide töten und in einer mobilen Schlachterei verarbeiten zu dürfen. Mixdorf unterstützte das: „Das ist die für die Tiere stressärmste Form der Schlachtung.“
Ralf Wunderlich, der die Veranstaltung moderierte, erinnerte daran, dass Grüne und Linke im Kreistag bereits beantragt hatten, eine kreiseigene Schlachterei prüfen zu lassen. Wer mehr regionale Direktvermarktung wolle, müsse den Landwirten auch die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Denkbar sei auch eine mobile Schlachterei als Genossenschaftsmodell.
Eine Teilnehmerin warf die Frage auf, warum Tierhalter in der Landwirtschaft keinen verpflichtenden Eignungsnachweis erbringen müssten, ein Thema, das auch der als Sachverständiger im Bundestag geladene Hundetrainer Martin Rütter angesprochen hatte. Er sprach sich für einen verpflichtenden Sachkundenachweis für Hundebesitzer und ein konsequentes Vorgehen gegen Qualzuchten aus. Die Debatte war lebhaft, auch Hundezüchter aus dem Publikum meldeten sich zu Wort.
Gegen 21 Uhr waren noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Das zeigte vor allem eines: wie groß der Gesprächsbedarf zwischen Landwirtschaft, Politik und engagierten Bürgerinnen und Bürgern ist und wie wichtig Formate wie „Pasta und Politik“ dafür sind. Einig war man sich am Ende darin, dass Tiere in Biobetrieben in der Regel bessere Haltungsbedingungen vorfinden und dass ein stressarmes und leidreduziertes Töten der Tiere mehr Gewicht bekommen muss, in der Politik wie in der Praxis.

