Friedensfahrt durch Oranienburg, „Nie wieder Krieg, Frieden ist der Weg!“
Am 1. September trafen sich Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten auf Einladung der Linken Oberhavel am Bahnhof Oranienburg zu einer Friedensfahrt durch Oranienburg anlässlich des Weltfriedenstags.
Schon am Bahnhof machte Versammlungsleiter Ralf Wunderlich deutlich, dass diese Demonstration leider nicht an Aktualität verloren hat, sondern im Gegenteil immer neue Konflikte hinzukommen. „Wir machen diese Fahrt jedes Jahr, aber ich sage bewusst, wir müssen sie machen, denn die Gründe dafür werden leider jedes Jahr mehr“, erklärte Wunderlich zum Auftakt.
Er forderte dazu auf, aus der Geschichte zu lernen, verwies aber zugleich darauf, dass Deutschland und Europa bei der Rüstungskontrolle bereits wesentlich weiter gewesen seien. Wunderlich berichtete aus seiner eigenen Zeit bei der Bundeswehr. Zwischen 1992 und 1994 war er als Unteroffizier in der Instandsetzung einer Panzergrenadierbrigade in Hamburg stationiert. Damals kamen Offiziere aus den Streitkräften der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, um im Rahmen der Rüstungskontrolle militärische Bestände zu kontrollieren. Umgekehrt kontrollierten NATO Staaten ehemalige sowjetische Militärstandorte.
„1992 und 1993 waren wir bei der Rüstungskontrolle und Abrüstung bereits weiter als heute“, so Wunderlich. Die gegenseitigen Kontrollen erfolgten im Rahmen des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa, des sogenannten KSE Vertrags.
Mehr als 30 Jahre später sieht Wunderlich die Entwicklung mit Sorge. „Es gibt wieder Aufrüstung und immer mehr Konflikte, die militärisch statt diplomatisch gelöst werden.“ Auch Oberhavel sei von dieser Entwicklung betroffen. So verwies er auf Planungen eines Munitionsdepots in Oberhavel und zu einer möglichen militärischen Nutzung ehemaliger Konversionsflächen.
Besonders die Zukunft der Kyritz Ruppiner Heide liegt ihm dabei am Herzen. Die ehemalige militärische Nutzung des Geländes war über Jahrzehnte Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Die Bürgerinitiative Freie Heide und zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer hatten sich erfolgreich gegen eine weitere militärische Nutzung eingesetzt.
„Die Freie Heide haben wir gemeinsam erkämpft. Sie darf nicht wieder zum militärischen Übungsplatz werden“, betonte Wunderlich. Er sprach sich deshalb dafür aus, den nächsten Ostermarsch wieder in der Kyritz Ruppiner Heide durchzuführen und forderte: Nie wieder Krieg, Frieden ist der Weg!
Von der Bernauer Straße führte die Friedensfahrt anschließend zum sowjetischen Ehrenmal und weiter zur Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge vor dem jetzigen Landratsamt in Oranienburg. An den geschichtsträchtigen Orten wurde der Opfer des Nationalsozialismus und der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus gedacht.
Anschließend ging es zur Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz. Dort sprach Anton Wiezorek aus dem Kreisvorstand der Linken Oberhavel über die historische Bedeutung des 1. September und die aktuellen Herausforderungen der Friedensbewegung.
„Wir gehen heute, am 1. September, auf die Straße. Gegen Krieg. Gegen Aufrüstung. Gegen die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft“, erklärte Wiezorek.
Der 1. September erinnert an den deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 und damit an den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa. Gerade für Oranienburg sei die Erinnerung von besonderer Bedeutung. Wiezorek verwies auf das Konzentrationslager Sachsenhausen und die Verbrechen des Nationalsozialismus. „Erinnern heißt nicht nur Kränze niederzulegen. Erinnern heißt, Konsequenzen zu ziehen“, sagte er.
Wiezorek kritisierte die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz militärischer Logiken und die steigenden Ausgaben für Rüstung. „Wir wollen keine Gesellschaft, die kriegstüchtig gemacht wird. Wir wollen eine Gesellschaft, die friedensfähig ist“, rief er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu.
Zugleich forderte er eine konsequente Orientierung am Völkerrecht. „Ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg bleibt ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, egal, wer ihn führt.“ Die Friedensbewegung müsse deshalb darauf bestehen, dass das Völkerrecht für alle Staaten gleichermaßen gelte.
Auch die zunehmende Militarisierung im Inneren war Thema der Rede. Wiezorek kritisierte die Bundeswehrwerbung an Schulen sowie die politische Debatte über eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. „Nein zur Wehrpflicht! Nein zur Militarisierung unserer Schulen! Nein dazu, eine Generation auf den nächsten Krieg vorzubereiten“, erklärte er.
Dabei verwies er auch auf die sozialen Folgen steigender Rüstungsausgaben. Während Milliarden in militärische Fähigkeiten investiert würden, fehlten vielerorts Mittel für Schulen, Krankenhäuser, Pflege, bezahlbaren Wohnraum und soziale Infrastruktur.
„Wirkliche Sicherheit entsteht nicht allein durch Panzer und Raketen“, sagte Wiezorek. „Sicherheit ist eine gute Schule. Sicherheit ist ein funktionierendes Krankenhaus. Sicherheit ist eine bezahlbare Wohnung. Sicherheit ist soziale Gerechtigkeit.“
Zum Abschluss seiner Rede erinnerte Wiezorek an die Holocaust Überlebende Margot Friedländer und ihre eindringliche Botschaft „Seid Menschen“. Diese Worte müssten auch Maßstab einer Friedenspolitik sein. Er schloss mit einem historischen Ruf der internationalen Arbeiterinnen und Arbeiterbewegung, der angesichts der aktuellen Konflikte neue Bedeutung bekomme.
„Nieder mit dem Krieg“, zitierte Wiezorek Clara Zetkin. „Dieser Ruf ist nicht veraltet. Er ist wieder verdammt aktuell.“
Mit den Rufen „Nie wieder Faschismus“ und „Nie wieder Krieg“ endete die Kundgebung auf dem Oranienburger Schlossplatz.
Im Anschluss trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Geschäftsstelle der Linken in der Bernauer Straße zum gemeinsamen Friedensliedersingen. Dabei wurde es ausgesprochen international. Neben chilenischen, deutsch-, englisch- und russischsprachigen Friedensliedern wurden auch türkische Lieder gesungen, die von den Auswirkungen des Krieges und dem Leid der Menschen erzählen.
Damit verband die Friedensfahrt Erinnerung, aktuelle Friedenspolitik und internationale Solidarität. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung blieb dabei über alle Redebeiträge hinweg dieselbe: Krieg darf nicht zur Normalität werden. Abrüstung, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit müssen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.


