Erinnern und Mahnung zugleich

Ralf Wunderlich
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R.N-D

Die Synagoge in der Havelstraße wurde im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 von Nationalsozialisten geschändet und in Brand gesteckt. In dieser Nacht wurden in Oranienburg – wie im gesamten Deutschen Reich – jüdische Gotteshäuser zerstört, Geschäfte geplündert und Menschen misshandelt. In den folgenden Jahren wurde die jüdische Gemeinde systematisch ausgegrenzt, verfolgt und schließlich aufgelöst.

Es waren Menschen aus Oranienburg, die den Oranienburger Jüdinnen und Juden dieses Leid antaten. Es begann mit Ausgrenzung, mit Worten und Blicken. Später folgte brutale Gewalt – zunächst gegen Eigentum, dann gegen Leib und Leben. Im mörderischen Rassenwahn planten und vollzogen die Nationalsozialisten die Vernichtung jüdischen Lebens. Auch in Oberhavel befanden sich Konzentrationslager und zahlreiche sogenannte Außenlager – Orte des Terrors, die heute Gedenkstätten sind.

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G.G.

Man betritt das Gelände der Gedenkstätte des ehem. KZ Sachsenhausen durch den Haupteingang mit dem schweren Eisentor, in dessen Metall die Worte „Arbeit macht frei“ eingelassen sind – eine zynische Verhöhnung der Opfer. Darüber erhebt sich der sogenannte Turm A, der zentrale Wachturm des Lagers, mit einem Maschinengewehr, das nahezu jeden Winkel des Geländes erreichen konnte. Dahinter öffnet sich ein weiter Platz. Die Umrisse der ehemaligen Baracken sind nur noch durch kalte Metallfundamente markiert – leer, und doch voller Geschichte. Der Blick fällt auf den alles überragenden Obelisken, errichtet zu Ehren der Befreier.

Der Weg führt vorbei am Erschießungsgraben, hinein in die Stille, bis zur Station Z. Wer dort steht und auf die Skulptur blickt, sieht links und hinter sich die Überreste der industriell organisierten Vernichtung: die Verbrennungsöfen des Krematoriums. Hier wurden Menschen nicht getötet – sie wurden systematisch ermordet, geplant und vollzogen als Teil einer staatlich organisierten Mordmaschinerie. Orte, an denen Menschen bis zuletzt ihrer Würde beraubt wurden.

Bild zeigt Meschen beim Niederlegen von Blumen in der Gedenkstätte Sachjsenhausen
RW

Auch Mitglieder der Linken beteiligten sich an den Gedenkveranstaltungen und legten an vielen Orten Blumen und Kränze zum Gedenken nieder. So auch in Sachsenhausen, wo unter anderem der Landesgeschäftsführer Stefan Wollenberg stellvertretend für den Landesvorstand vor Ort war.

Am Abend fand ein gut besuchtes Konzert, auch mit vielen Schülerinnen und Schülern, statt. Musikerinnen und Musiker verschiedener Nationen spielten Werke, deren Kompositionen teilweise im Konzentrationslager Sachsenhausen entstanden sind.
Bereits am Nachmittag hatten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Panketal eine Roll-up-Ausstellung präsentiert. Sie zeigte eindrucksvoll, dass selbst im Schrecken des Lagers wundervolle, wenn auch zutiefst traurige Musik entstanden ist. Über QR-Codes konnten Besucherinnen und Besucher direkt zu den Musikbeiträgen gelangen, die von den Komponisten im Lager geschrieben wurden.

Ramón Jaffé, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, moderierte den Abend und spielte Cello. Besonders bewegend war der im KZ Sachsenhausen entstandene „Jüdische Todessang“ von Martin Rosenberg d’Arguto. Den Abschluss dieses ergreifenden Gedenktages bildete die Kammersinfonie von Dmitri Schostakowitsch, die er den Opfern des Faschismus widmete.

Das Konzert machte zugleich deutlich, dass Erinnerung auch materielle Voraussetzungen braucht: Im Veranstaltungsraum war es spürbar kalt, da die dort verbaute Heizungsanlage aus dem Jahr 1962 stammt und dringend repariert werden muss. Dies zeigt eindrücklich, dass Bund und Land der Stiftung deutlich mehr Investitionsmittel zur Verfügung stellen müssen, um diese zentralen Orte des Erinnerns, Lernens und Mahnens dauerhaft zu erhalten.

Ein Ort, der mahnt.
Und ein Ort, den man nicht verlässt, ohne dass etwas bleibt.

„Nie wieder“ – ein Schwur aus Buchenwald / AfD-Verbotsverfahren jetzt!

„Nie wieder“ ist kein leerer Appell. Es ist ein Schwur.
Ein Schwur, der am 19. April 1945 von den Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald geleistet wurde. Kommunisten, Sozialdemokraten und andere antifaschistische Widerstandskämpfer schworen gemeinsam:
Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg.

Dieser Schwur entstand nicht in Sicherheit, sondern im Schatten der Verbrechen. Er war das Versprechen der Überlebenden, dass das, was sie erlebt hatten, sich niemals wiederholen dürfe – und dass es aktiven Widerstand brauche, um genau das zu verhindern.

Doch dieser Schwur ist heute erneut herausgefordert. Denn der Faschismus ist keine Vergangenheit, er ist eine ständige Gefahr. In den USA, in Russland, in vielen Ländern Europas – und auch in Deutschland stehen autoritäre, menschenfeindliche Ideologien wieder sichtbar im Raum. Parteien werden gewählt, deren Sprache, deren Feindbilder und deren Geschichtsdeutung erschreckende Parallelen zur Vergangenheit aufweisen.

Die Geschichte lehrt uns: Faschismus beginnt nicht mit Lagern. Er beginnt mit der Verfolgung politischer Gegner. 1933 waren es zuerst die Kommunistinnen und Kommunisten, die verboten, verfolgt und in die ersten Konzentrationslager verschleppt wurden. Es folgten Gewerkschafter, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Demokratinnen und Demokraten. Erst später wurde der Terror allumfassend.

Auch heute sehen wir gefährliche Entwicklungen. In den USA wird offen darüber gesprochen, antifaschistischen Widerstand zu verbieten. In Teilen Europas, etwa in den Niederlanden, wurden entsprechende Schritte bereits beschlossen. Und auch in Deutschland bleibt es nicht bei theoretischen Debatten: Es gibt Anträge und Forderungen, antifaschistisches Engagement zu delegitimieren oder zu kriminalisieren. Parallel dazu werden Versuche unternommen, kritische zivilgesellschaftliche Organisationen finanziell auszutrocknen, weil sie politisch unbequem sind.

Aus dem Schwur von Buchenwald folgt eine klare Konsequenz für die Gegenwart:
Es darf keine Zusammenarbeit mit der AfD geben – nicht in den Kommunen, nicht in den Ländern und nicht im Bund. Das sind wir den Menschen schuldig, die das Martyrium der Konzentrationslager überlebt haben, und all jenen, die dort ermordet wurden. Diese Verantwortung richtet sich insbesondere an die Abgeordneten der CDU/CSU, des BSW sowie der Freien Wähler, die immer wieder mit Abgrenzungen spielen oder sie relativieren.

Als Die Linke können und werden wir diese Forderung immer wieder erheben – klar, unmissverständlich und konsequent:

AfD-Verbotsverfahren jetzt!

Der Schwur von Buchenwald verpflichtet uns. Er ist keine historische Fußnote, sondern ein Auftrag für die Gegenwart. Wer heute schweigt, wenn Antifaschismus diskreditiert wird, verrät diesen Schwur. Wer Demokratie verteidigen will, muss den Mut haben, sich Faschismus frühzeitig entgegenzustellen.

Nie wieder Faschismus!
Nie wieder Krieg!
Nie wieder – ist jetzt!

Siehe auch: www.die-linke.de/start/presse/detail/news/afd-verbotsverfahren-jetzt-auf-den-weg-bringen/