Ein Ort der Erinnerung. Eine Mahnung für die Gegenwart.

Am heutigen Montag, dem 2. November, wenige Tage vor dem Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome, wurde in Oranienburg der neugestaltete Gedenk und Informationsort für das ehemalige Konzentrationslager Oranienburg eingeweiht.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erinnerte in seiner Rede daran, dass das KZ Oranienburg nicht nur das erste Konzentrationslager in der Stadt, sondern das erste Konzentrationslager in Preußen war. Am 21. März 1933 richtete die örtliche SA auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei das Lager ein.

Zu den ersten Häftlingen gehörten politische Gegner der Nationalsozialisten, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten. Unter den Inhaftierten war auch der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam. Er wurde im Juli 1934 im Lager ermordet. Bis zur Auflösung des Konzentrationslagers im Juli 1934 waren dort rund 3.000 Menschen inhaftiert. Mindestens 16 Menschen kamen ums Leben.

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Erinnerung mitten in der Stadt

Mit der Neugestaltung wird die Geschichte dieses frühen Konzentrationslagers endlich sichtbarer. An einer rund 60 Meter langen historischen Mauer erinnern zehn Informationstafeln mit Bildern und Texten an die Opfer und die Verbrechen des NS-Regimes.

Wie Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder in ihrer Rede hervorhob, kostete die Herrichtung des Erinnerungsortes knapp eine halbe Million Euro. 283.000 Euro davon stammen aus Bundesmitteln des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“, wie die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Poschmann erklärte.

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, machte in seiner eindringlichen Rede deutlich, dass die Oranienburgerinnen und Oranienburger die Häftlinge des Konzentrationslagers gesehen haben müssen. Das Lager lag mitten in der Stadt. Die Gefangenen wurden zur Zwangsarbeit herangezogen, unter anderem beim Straßenbau und bei weiteren Arbeiten im Stadtgebiet. Der nationalsozialistische Terror war damit nicht verborgen, sondern Teil des alltäglichen Lebens in Oranienburg. Dieser historische Tatort muss sichtbar bleiben und darf nicht in Vergessenheit geraten.

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke mahnte, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Sie sei verletzlich und werde auch heute von innen und außen angegriffen.

An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter von Die Linke Oranienburg, die gesamte linke Oranienburger Stadtfraktion sowie Mitglieder der Kreistagsfraktion Die Linke teil.

Ralf Wunderlich, Kreistagsabgeordneter von Die Linke Oberhavel, erklärte im Anschluss:

„Der Schwur von Buchenwald, den die Überlebenden des Konzentrationslagers nach ihrer Befreiung auf dem Appellplatz leisteten, ist uns Mahnung und Verpflichtung zugleich. Die Worte ‚Nie wieder‘ sind untrennbar mit diesem historischen Vermächtnis verbunden. Sie stehen für den Auftrag, Faschismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Nie wieder ist JETZT!

Gerade heute, in einer Zeit, in der rechte Kräfte erstarken und demokratische Grundwerte unter Druck geraten, bleibt ‚Nie wieder‘ eine Verpflichtung für uns alle.“

Erinnern heißt Verantwortung übernehmen. Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg.

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