
Besuch in der Gedenkstätte Sachsenhausen
Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit
Wer die Gedenkstätte Sachsenhausen betritt, betritt kein Museum. Man betritt einen Ort, an dem Geschichte körperlich spürbar wird. Am 16. Juni war Christin Willnat, Bundestagsabgeordnete und verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, genau dort. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Dr. Axel Drecoll, führte sie persönlich durch das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers und gab ihr einen tiefen Einblick in Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Gedenkstättenarbeit.
Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren rund 200.000 Menschen inhaftiert. Etwa 50.000 von ihnen starben infolge unmenschlicher Haftbedingungen, an Hunger, durch systematische Gewalt oder wurden ermordet. Zahlen, die schwer wiegen. Und ein Ort, der noch viel mehr zu erzählen hat als an einem einzigen Tag möglich ist. Die rund 300 Hektar umfassenden Außenlager blieben diesmal außen vor. Willnat möchte zurückkommen, unter anderem für eine Besichtigung des Klinkerwerks.
Was beim Rundgang schnell deutlich wird: Die Gedenkstätten in Deutschland kämpfen nicht nur gegen das Vergessen, sondern auch gegen den Verfall. Schlechte Isolierungen, ausfallende Heizungen, eine seit zwei Jahren durch einen Tornado beschädigte Außenmauer. Wie Dr. Drecoll erklärt, benötigen viele Gedenkstätten in Deutschland beträchtliche Investitionsmittel, um ihre denkmalgeschützte Bausubstanz erhalten zu können.
Die gute Nachricht: Das neue Besucher- und Informationszentrum in Sachsenhausen ist finanziert und kann bald gebaut werden.
Doch die Bildungsarbeit stößt schon heute an ihre Grenzen. Schulklassen warten teilweise länger als ein halbes Jahr auf einen Termin. Nicht wegen fehlenden Personals, sondern wegen fehlender Räume. Für Arne Pannen, Leiter der Bildungsabteilung, und Christin Willnat ist das eine alarmierende Situation, gerade in Zeiten, in denen Rechtsextremismus und Antisemitismus wieder sichtbar zunehmen.
Willnat fasst zusammen: „Gedenkstätten wie Sachsenhausen sind unverzichtbare Orte des Erinnerns, Lernens und der demokratischen Bildung. Ihr Erhalt und die Stärkung ihrer Bildungsarbeit sind Investitionen in die Zukunft der Demokratie und ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und Rechtsextremismus.“
Der Tag endete mit einer ermutigenden Nachricht aus Löwenberg. Dort versammelten sich mehr als einhundert Menschen friedlich auf der Straße um ein Zeichen gegen eine dort stattfindende AFD- Veranstaltung zu setzen. Für einen Ort mit rund 1.500 Einwohner*innen ist das ein starkes Vorbild gelebter Zivilgesellschaft.

